Ursache von Schmerz

Das Muskel-Faszien-System des Menschen wird in der angewandten Medizin bisher nur einseitig oder zu wenig berücksichtigt. Bei Beschwerden  und Schmerzen wird oft nur eine bestimmte Muskelgruppe oder Körperregion betrachtet und behandelt. Dieser Ansatz kann meist die eigentliche Ursache nicht richtig fassen.

Der menschliche Körper ist in biomechanischer Hinsicht so gebaut, dass er den physikalischen Kraftgesetzen folgt. Der Gesamtzustand eines solchen Biomechanismus ist dann gesund, wenn die verschiedenen Kräfte harmonisch und ausbalanciert miteinander wirken und arbeiten. Jede Störung dieses Gleichgewichts zieht mit der Zeit entsprechende Schädigungen nach sich. Krank oder leidend wird ein Organismus dann, wenn solche Störungen zu stark sind. Die körperliche Meldung einer solchen Verletzung geschieht durch Schmerz. Schmerzen können als Ausdruck eines gestörten körperlichen Gleichgewichts betrachtet werden.

Der Körper als verbundenes Gesamtsystem

Wichtig ist nun, dass angesichts eines solchen Schmerzsignals nicht allein der betroffene Bereich des Körpers betrachtet und behandelt wird. Die jeweilige Problemstelle darf nicht vom Gesamtnetz der Verbindungen aus Muskeln, Sehnen, Knochen und Faszien isoliert werden. Denn häufig befindet sich die eigentliche Ursache nicht dort, wo es weh tut. Schmerzbereich und Schmerzverursacher können sich an verschiedenen Körperstellen befinden.

Stellen Sie sich ein Spinnennetz vor. Kommt Zug auf einen Strang des Netzes, wird das ganze Netz verschoben. So wird die Symmetrie gestört. Die Zugkraft bzw. die Quelle der Störung kommt somit nicht nur dort zur Wirkung, wo man am Netz zieht, sondern an allen mit diesem Punkt verbundenen Bereichen, also im ganzen Netz. Das Gleiche geschieht im Körper, da Muskeln, Sehnen, Knochen und Faszien miteinander verbunden sind.

Ein muskuläres Ungleichgewicht kann somit aufgrund der unsymmetrischen Stellung eines Körperbereichs Schmerzen hervorrufen. Solche Ungleichgewichte entstehen durch einseitige Belastungen, langes Sitzen, lange Autofahrten, PC-Arbeit und vieles mehr. Schmerzursache und Schmerzpunkt sind also nicht identisch. Eine Behandlung nur am Ort der Schmerzen kann somit kaum die Ursache beseitigen.

Ist die Symmetrie erst einmal in einem Bereich des Körpers gestört und besteht diese Störung über einen längeren Zeitraum, so treten über die muskulären Verbindungen zu anderen Regionen auch dort Fehlspannungen bzw. Schmerzen auf. So kann es z. B. sein, dass Schmerzen in der Hand oder im Handgelenk ihre Ursache im Bereich des Armbeugers (Bizeps) oder des kleinen Brustmuskels haben.

Was verstehen wir unter verkürzten Muskeln?

Jeder Muskel besteht aus aktivem Muskelgewebe und aus einer Muskelhülle, der Faszie. Sie sind funktionell wichtig für die Beweglichkeit und Elastizität der Muskeln. Die Muskeln bestehen an ihren Enden aus passiveren, sehnigen Faseranteilen. Auch diese sind mit elastischem Fasziengewebe umhüllt und durchwoben. Von dort wird die Kraft des Muskels auf die Knochen übertragen.

Jedes einzelne Muskel-Faszien-Paket fängt zunächst dünn und sehnig an und geht dann in dickeres, aktives Muskelgewebe über (beidseitig). Bei jedem Muskel kann man so die Gesamtlänge aufteilen in die Längenanteile der sehnigen, passiven Abschnitte und in die aktiven, dynamischen, elastischen Muskelfasern.

Von einer Verkürzung sprechen wir, wenn die Relation der beiden Längen zugunsten der passiven Längenanteile und zuungunsten der aktiven Längenanteile verschoben ist. Wird die aktive Muskellänge geringer, verfügt der Muskel über weniger Flexibilität, Elastizität, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer. Einseitige Bewegungen und langes Sitzen führen so zu einer Verkürzung der beanspruchten Muskulatur. Es entsteht eine Zugbewegung im Bewegungsapparat und es treten Schmerzen dort auf, wo man meist keinen Grund hierfür findet. Sind z. B. die Bauchmuskeln relativ verkürzt, entsteht in der Aufrichtung Rückenschmerz, weil beide Muskelgruppen nun nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten, indem sie sich gegenseitig bremsen.

Wichtigkeit von Muskeltraining

Dort, wo Muskeln benutzt und beansprucht werden, bildet der Körper feinste Blutgefäße (Kapillaren) aus, organisiert die Sauerstoffversorgung, erhöht die Anzahl der Mikrostrukturen jeder Zelle, die für die Energiegewinnung notwendig sind (Mitochondrien) und produziert den biologischen Grundbrennstoff ATP.

In nicht genutzten Bereichen des Körpers, wenn keine Aktivität und Bewegung mehr gefordert wird, ist es nicht notwendig, den Stoffwechsel auf vollen Touren laufen zu lassen. Der Organismus drosselt und spart seine Leistungsmöglichkeiten ein: Es entsteht passives, sehnigen Material anstelle von elastischen Muskelfasern und Faszien. Die Konsequenz ist, dass ein relativ kurzer Muskel mit erhöhter Grundspannung entsteht.

Yoga oder Faszientraining

Neben dem Muskelaufbau ist es wichtig, den Körper richtig zu dehnen oder besser noch, seine Muskeln in die Länge zu trainieren. Hierbei werden die Muskeln gestreckt und in dieser Streckung durch leichtes Federn und Anspannen aktiviert. Auch unsere Yoga- und Faszienkurse widmen sich der Elastizität der Faszien sowie dem Längenwachstum der Muskulatur und stellen sowohl eine gute Prävention als auch Behandlungsmethode gegen Schmerzen dar, die durch Verspannungen und Muskelverkürzungen entstehen bzw. entstanden sind.

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